DER GLOBALE SÜDEN

Ich beginne gleich mit der Diagnose: Dem „globalen Süden“ haben offenbar manche in grenzenlosen Naivität nur gutes zugetraut. Ressentimentgeladenes Denken? Gibts nur beim alten weißen Mann. Die Stimme des „globalen Südens“ besteht einzig aus Schmerz, Wut und Gerechtigkeitssinn. Wer da Zweifel anmeldete, der wurde aussortiert. „Fresse, BIODeutscher!“ lautete so manches mal das „Argument“ in Social-Media-Saalschlachten, wenn der woken Empörungscommunity aus Friedrichshain/Kreuzberg die richtigen Argumente davonschwammen wie dem Trapper die Felle. So mancher wurde dann wegen Petitessen, manchmal gar nur wegen eines „falschen“ Wortes außerhalb allen menschlichen Daseins gestellt. Ohne Begründung, respektive mit einer, immer wiederkehrender: Du bist ein Weißer, kannst eo ipso nicht wahr sprechen, sondern bestehst aus Privilegien und Ressentiments. Punkt. Wut, Schmerz, Gerechtigkeitssinn versus Privilegien und Ressentiments. Geht es gedanklich noch kitschiger? Und aus dem intellektuellen Kitsch folgt dann unweigerlich der ästhetische.

Dieser Kitsch hat nun sein Waterloo erlebt. Ein vom postkolonialen Denken überwältigtes Kuratorium erkennt antisemitische Karikaturen in wahrer Stürmer-Ästhetik nicht, winkt sie durch. Und stellt sie haushoch am prominentesten Platz Kassels aus.

Es ist kaum zu glauben. Mit allem hatte ich gerechnet: Mit Israelkritik und natürlich mit… nun ja: „Israelkritik“. Mit dem Entlarven mancher dieser globalen und südlichen „Künstler“ als ehemalige Mitläufer auf israelfeindlichen Demonstrationen. Mit Karikaturen aus dem Stürmer aber dann doch nicht. „Wart Ihr wirklich so dumm?“ fragte Frau Kempowski ja einst ihren Sohn Walter, nachdem er eine Petition gegen Russisch als erste Fremdsprache unterschrieben hatte. Und genau diese Frage muß man den Kuratorinnnnenenen (habe ich eine Silbe vergessen? Das täte mir leid) dieser „Kunst“-show wohl auch stellen. So dumm wart Ihr? Oder eventuell doch so selbstgewiss: Kommt ja aus dem „globalen Süden“ und da ist keine Nachfrage erlaubt. Aber diese Rechnung ging dann doch nicht auf. Nun treten diese Typ*innen Wasser und hoffen, noch einmal davonzukommen. Es sollte ihnen nicht erlaubt werden. Der Flurschaden ist gewaltig. Übrigens auch und vor allem für die eigene Sache.

Denn die Behauptung, Antisemitismus und anti-muslimische Xenophobie gehen stets Hand in Hand, ist nun endgültig an der Wirklichkeit zerschellt. Die muslimische Welt und der Postkolonialismus haben IN TEILEN vielmehr ganz offenkundig ein veritables Antisemitismusproblem. Das ist nun nicht mehr zu leugnen.

Weiteres fällt bei näherer Betrachtung auf: Der „globale Süden“ ist nichts weniger als global. Der gesamte christliche Anteil Südamerikas und Afrikas taucht in der Rechnung unserer Aktivisten nicht auf. Das geschieht halt, wenn der „globale Süden“ einzig als Projektion aus dem Norden existiert.

Ein abschließender Gedanke noch: Diese kritiklose Bewunderung des „globalen Südens“, die ja letztlich zu der krassen Fehlwahrnehmung geführt hat! Ist das nicht auch das modern frisierte aber im Grunde rassistische Bild vom „edlen Wilden“? Kann man da nicht von rassistischer Folklore sprechen? Darüber sollten einige mal nachdenken.

P.S. Den oben dargestellten Tweet habe ich am 20.01.2022 – Jahrestag der Wannseekonferenz – abgesetzt. Bisher ein Like.